Muhammara mit Joghurt und pochiertem Ei

Müsste ich mich jetzt entscheiden, was ich ab sofort bis an mein Lebensende jeden Tag essen möchte, dann würde ich wahrscheinlich „Muhammara“ sagen.

Ich kannte diese Delikatesse bis vor Kurzem nicht – bis ich über das fantastische Kochbuch A Modern Way to Eat. Über 200 vegetarische und vegane Rezepte für jeden Tag von Anna Jones, das mir meine Freundin L. zu Weihnachten geschenkt hat (DANKE!!) darauf aufmerksam wurde. Ich bin ja nicht so die Werbung-auf-dem-Blog-Freundin, aber dieses Kochbuch ist mit das beste, das ich je hatte (und ich habe sooo viele). Es ist unheimlich dick, 200 Rezepte sind wirklich ein starkes Stück, und bei nahezu JEDEM Rezept darin knurrt mein Magen und ich will es unbedingt ausprobieren. So etwas ist mir noch nie bei einem Kochbuch passiert!

Ich muss Anna Jones einfach zitieren, denn ich habe selten eine so passende Beschreibung eines Gerichts gelesen:

Falls Sie jemanden kennen, der vegetarische Küche für langweilig hält, drücken Sie der Person eine Schüssel hiervon in die Hand, zusammen mit einem Stück gegrilltem Fladenbrot zum Dippen, und geben Sie ihr fünf Minuten.

Also. Was ist jetzt Muhammara – abgesehen von einem Aromafeuerwerk, von einem Mundorgasmus, von einem sphärisch-sinnlichen Paradies? Es ist, kurz gesagt, eine Paste aus gegrilltem Paprika, Walnüssen und Granatapfelsirup. Das klingt nicht einmal annähernd so phänomenal wie es schmeckt. Muhammara (arab. محمرة‎ ) heißt ‚rötlich‘. Das Gericht kommt angeblich ursprünglich aus Syrien und wird auch häufig in der Türkei gegessen.

Ich hatte nicht mehr genug Walnüsse, daher hab ich die Hälfte durch Haselnüsse ersetzt.

Konventionelles Fladenbrot hatte bzw. wollte ich auch nicht (ich muss endlich mal ein Low Carb-Rezept dafür ausprobieren), daher hab ich ein Sesam-Herzerl in Scheiben geschnitten und in der trockenen Pfanne angeröstet. Der Sesam harmoniert ganz wunderbar – er kommt ja auch viel in der ‚Muhammara-Gegend‘ zum Einsatz.

Und dann noch diese hinreißende Idee mit dem pochierten Ei. Ich LIEBE ja pochierte Eier, nur kann ich das nicht so gut. Es ist jedes Mal ein Vabanquespiel, ob ich es versaue oder nicht. Deshalb hol ich mir gerne meinen Mann zur Hilfe, der kriegt das Pochieren meist besser hin. Anna Jones kredenzt ein ursprüngliches Muhammara mit Fladenbrot, ergänzt dann aber gleich noch ein paar Tipps, die da wären:

  • auf Toast streichen und ein pochiertes Ei darauf setzen (daher meine Variante)
  • zum Verfeinern von Ofengemüse einsetzten, evtl. mit etwas Öl verdünnt als Dressing
  • als Marinade für Tofu oder Gemüse zum Grillen verwenden
  • zu einem Linsengericht mit einem Klecks Joghurt anbieten (daher meine Idee mit dem Joghurt)

Muhammara ist natürlich vegan. Ei und Joghurt sind Goodies, die man nicht zwingend braucht (aber ICH finde sie köstlich!).

Meine Muhammara-Kreation ist ein bisschen ‚low carbiger‘, also mit Flohsamenschalen statt Brotstücken usw. Auf den Granatapfel-Sirup wollte ich aber keinesfalls verzichten, da der so ein wunderbares Aroma gibt. Wer partout keinen Sirup will kann es mit umständlich selbst eingekochten Granatapfelkernen und Erythrit probieren und anschließend die eigentlichen Kerne durch ein Sieb abstreichen. Ich finde, das steht sich nicht dafür. Die 1,5 EL Sirup pro Portion sollten nicht verteufelt, sondern gezielt genossen werden.

Glaubt mir. Probiert das aus. Gerne auch zum herzhaften Frühstück bzw. Brunch (original wird Muhammara auch morgens gegessen, wobei es ein wenig an Shakshuka erinnert). Wenn eure Geschmacksnerven auch nur annähernd so gepolt sind wie meine, dann werdet ihr dahinschmelzen!! 😀

2 Portionen:

  • 75g Walnüsse (oder Haselnüsse oder halb-halb)
  • 1 kl. Glas gegrillte Paprika in Öl (meines hatte mit Öl 280g, aber ein bisschen mehr oder weniger schadet auch nicht)
  • 1 TL Kreuzkümmel
  • 1 EL Flohsamenschalen
  • 3 EL Tomatenmark aus der Tube
  • 3 EL Granatapfel-Sirup
  • 1 EL Pul Biber (alternativ Paprikapulver und Chilipulver)
  • Saft v. 1/2-1 Zitrone (ich mag es gerne sauer, daher eine ganze für mich)
  • 3 EL Olivenöl
  • Salz, Pfeffer
  • 2 Eier
  • 2 geh. EL Joghurt
  • 200ml einfachster Essig zum Pochieren des Eis
  • Low Carb-Brot nach Wahl

Nüsse in einer trockenen Pfanne anrösten.

Paprika abtropfen lassen (es sei denn, die sind schon in gutem Olivenöl eingelegt, dann kann man dieses Öl gleich mitverwenden).

Alle Zutaten für die Paste in einen Hochleistungsmixer geben und so lange pürieren, bis die Sache cremig wird. Wer nur einen einfachen Küchenmixer hat, muss die Nüsse vorher über Nacht einweichen.

Auf Teller klecksen und eine Mulde machen.

Low Carb-Brot in Scheiben schneiden und in der trockenen Pfanne anrösten.

Einen hohen Topf mit Wasser und Essig erhitzen. Das Wasser darf noch nicht blubbern, nur sanft sieden! Die Eier in je eine Tasse aufschlagen. Mit einem Kochlöffel einen Strudel im Essigwasser machen und ein Ei hineingleiten lassen. Sofort zwei Esslöffel zur Hand nehmen und das Eiweiß rundherum modellieren. 3min sieden lassen. Am Ende mit einem Sieblöffel oder -schöpfer herausheben und auf etwas Küchenrolle abtropfen lassen. Mit dem zweiten Ei genauso verfahren.

Joghurt in die Mulde des Muhammara geben und je ein pochiertes Ei darauf setzen. Aufschneiden, sodass der Dotter ausläuft.

Genießen. Mmmmhm!! (Es gibt einfach nicht genug Muhammara auf der Welt, ich schwör’s!)

Ach ja, eins noch: Verschlossen in einem Glas hält sich das Muhammara einige Tage. Wenn man es auch noch mit einer Schicht Olivenöl bedeckt, hält es sicher auch zwei Wochen. Aber WER isst so etwas denn nicht SOFORT ratzeputz auf??


3 Gedanken zu “Muhammara mit Joghurt und pochiertem Ei

  1. Christina schreibt:

    Ich hab noch nie ein pochiertes Ei fabriziert – aber es fasziniert mich. Ich hörte / sah vor vielen Jahren einmal im TV, dass das Ei in eine Suppenkelle geschlagen werden soll und dann vorsichtig ins Wasser zu geleiten ist und dann auch direkt stockt, also ohne „modellieren“.
    Ob das dann besser gelingt?

    LG

    *Christina*

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    • Genussspecht.net schreibt:

      Liebe Christina!

      Oh – Suppenkelle, das könnte wirklich gut klappen! Unsere Kaffeetassen sind nämlich höher als konventionelle, da ist das Rausgleiten immer etwas vertrackt. Danke für den Tipp, wird kommendes Wochenende ausprobiert! 🙂

      Wenn du es mal probieren willst: Mach es beim ersten Mal mit jemandem, der dir hilft. Also einer könnte z.B. den Strudel ins Wasser machen, der andere lässt das Ei reingleiten, der erste beginnt sofort mit dem Modellieren des Eiweißes. Mein Mann hat den Dreh schon sehr gut raus, also das ist einfach Übungssache.

      Liebe Grüße
      Katharina

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