Käferbohnen

Gestern, am 3. November, habe ich noch schnell die letzten Käferbohnen geerntet.

Den meisten österreichischen Lesern meines Blogs wird diese Bezeichnung wohl bekannt sein, denn auch wenn sie vom Handel meist als „Steirische Käferbohne“ verkauft wird, nennen wir sie fast alle so. Die deutschen (und gibt es auch schweizer?) Leser möchten an dieser Stelle vielleicht noch eine Erklärung haben: Käferbohnen sind die ausgewachsenen Bohnenkerne der Feuerbohnen bzw. Prunkbohnen.

Feuerbohnen nenne ich zumindest nur die Pflanzen bzw. die noch nicht ausgereiften Fisolen=Grünen Bohnen. Hier in diesem Rezept für Maya-Salat habe ich auch einmal Fotos der wunderschönen roten Blüten gepostet, die den Feuerbohnen ihren Namen geben. Ich schätze die Pflanzen sehr, weil sie – im Unterschied zu manch anderen Kletter- oder Buschbohnen – ziemlich resistent sind. Sie können schon früh ausgepflanzt werden, wenn es den anderen Kletterbohnen noch zu kalt ist. Sie kriegen wesentlich seltener diesen komischen Mosaikvirus, der v.a. Buschbohnen so gern befällt, und den viele Gärtner sicher kennen. Und außerdem ranken sie wie die Weltmeister. Mir kommt vor, die wachsen jedes Mal, wenn ich den Kopf wegdrehe. 🙂 Innerhalb weniger Wochen sind sie dazu in der Lage, einen dekorativen, essbaren Sichtschutz zu begrünen!

Die allermeisten Bohnen kommen aus Amerika (die mittelalterlichen Europäer kannten nur die Saubohne, die auch Puff-, Acker-, Fava- oder Pferdebohne genannt wird und die ich u.a. in diesem Rezept für Bohnenbratlinge verwendet habe). Sie gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Welt; die ältesten Funde der bekannten Gartenbohne stammen von etwa 6000 v. Chr. (!) aus Peru.

Bereits im 16. Jahrhundert gelangten Feuer- und Gartenbohnen nach Europa. Angeblich brachten Eroberer die Bohnen nach Spanien und England, wo sie sich innerhalb eines Jahrhunderts in ganz Mittel- und Nordeuropa verbreitete. Leonhart Fuchs nennt die Gartenbohne in seinem Kräuterbuch 1543 die „Welsch Bohne“ (eine alte Bezeichnung für romanische bzw. lateinische Völker). Da die Feuerbohne aber die Kälte besser aushält als die Gartenbohne, ist diese schon früher in Nordeuropa heimisch geworden.

Manchmal passiert es, dass Fisolen=Grüne Bohnen zu groß bzw. zu dick werden, um noch gutes Frischgemüse abzugeben. Die werden dann faserig und holzig. Solche Exemplare, die v.a. nach dem Urlaub anzutreffen sind, lasse ich einfach bis zum Spätherbst (=bis zum ersten Frost) auswachsen. Bzw. wenn sie zwischendruch schon braune, vertrocknete Schalen bekommen, sind sie vorher schon fertig.

Das Ergebnis ist wunderhübsch. Die vollständig ausgewachsenen Bohnenkerne sind dunkel gesprenkelt (die zwei verschiedenen Farben im dunkleren Bohnenherz auf dem Foto ergeben sich aus zwei verschiedenen Feuerbohnen-Zuchten) und den ganzen Winter über lagerbar. Man sollte sie nur erst ein paar Tage in einem durchsichtigen Behälter aufbewahren. Wenn am Boden plötzlich kleine Pünktchen zu sehen sind, sind ein paar der Bohnenkerne vom Bohnenkäfer befallen. Die winzigen Käferlarven können nicht vollständig gefunden werden, das ist auch nicht weiter schlimm, denn man kann die Bohnenkerne ein paar Tage einfrieren und damit hat sich die Sache erledigt. Nach dem Einfrieren und Auftauen ist die Konsistenz der Bohnen genauso wie vorher.

Jene Bohnen, die noch nicht in braun-vertrockneten Schoten stecken, die aber wegen des drohenden Frostes trotzdem geerntet werden müssen, sind pink und frisch. Sie können nicht gelagert werden, sondern müssen wie Frischgemüse gleich verzehrt werden (ein paar Tage im Kühlschrank sind kein Problem). Dafür muss man sie beim Zubereiten auch nicht vorkochen, sondern kann sie direkt in Eintöpfe, Aufläufe & Co. geben.

Übrigens: Käferbohnen sind reich an hochwertigem Eiweiß, vielen Vitaminen und wertvollen Mineralstoffen (Kalzium, Kalium, Phosphor, Vitamin C, B-Vitamine). Sie enthalten außerdem sekundäre Pflanzenstoffe wie Saponine und Farbstoffe, die im Körper zahlreiche positive Effekte haben. Sie haben eine cholesterinsenkende, entzündungshemmende und krebsvorbeugende Wirkung. Der Kohlenhydratanteil ist zwar etwas höher (43g KH auf 100g getrocknete Bohnen), allerdings handelt es sich um  komplexe Kohlenhydrate, die bei der Verdauung erst aufgespalten werden müssen, bevor sie langsam und gleichmäßig ins Blut übergehen können. Damit sättigen sie lange, haben keine extremen Insulinspitzen zur Folge und sind dank ihres hohen unverdaulichen Ballaststoffanteils gut für die Verdauung. Außerdem enthalten 100g der getrockneten Käferbohnen 20g Eiweiß.

Zum Abschluss zeige ich euch noch die hübschen Farben der Käferbohnen (links frisch, rechts zum Trocknen):

Feuerbohne-Kaeferbohne_01 Feuerbohne-Kaeferbohne_02

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8 Gedanken zu “Käferbohnen

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