Pilzinfos & Rezept: Schlemmerpilze aus dem Backfach

Die im Folgenden präsentierten Infos sind lediglich als meine private Meinung und nicht als Pilzberatung zu verstehen. Pilzbestimmung übers Internet ist trotz der vielen Vorzüge, die gute Pilzseiten (z.B. 123pilze.de) ggü. Printmedien aufweisen, keine endgültige Bestimmung und sollte bei Unsicherheit vor Ort von Mykologen (Pilzexperten) bestätigt werden. In Österreich gibt es dazu Pilzauskunftstellen. Ich übernehme keine Haftung.

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Flockenstieliger Hexenröhrling

Gestern haben wir einen sehr schönen Fund gemacht: Zwei Prachtexemplare vom Flockenstieligen Hexenröhrling, einem dem Steinpilz=Herrenpilz verwandten Röhrling. Ich mag diesen Pilz aber wesentlich mehr als den beliebten Steinpilz, und das hat mehrere Gründe:

  1. Er schmeckt besser. Das ist unbestreitbar. Die Konsistenz ist besser und der Geschmack „pilziger“.
  2. Er ist eindeutiger. Alle Leute, die glauben, Steinpilze seinen unverkennbar, irren gewaltig. Mehr dazu später.
  3. Er wirkt auf Laien aufgrund seiner rötlichen Farbe giftig. Das bedeutet, dass viele Sammler ihn stehen lassen. Gut für uns! 🙂

Eigentlich ist der Flockenstielige Hexenröhrling recht leicht von seinen Verwandten zu unterscheiden. Zunächst gilt es zu bemerken, dass Anfänger sich vor Röhrlingen prinzipiell nicht wirklich fürchten müssen, weil es keine lebensbedrohlich giftigen unter ihnen gibt – nur grausliche oder solche, die vorübergehendes Bauchzwicken verursachen können.

Der „Flocki“ (so nennt man ihn in Bayern, wo er häufig vorkommt), ist klar zu erkennen:

  1. Seine Huthaut ist massivbraun bis dunkelbraun (nicht hell wie beim Satanspilz oder beim Schönfußröhrling).
  2. Er hat keine Lamellen, sondern Röhren wie der Steinpilz auch. Die Röhren sind leuchtend orange bis rot (nicht gelb wie beim Schönfußröhrling).
  3. Sein Stiel ist rötlich und mit Flocken übersät (rote Flocken auf gelbem Grund). Er weist keine Netzzeichnung auf (Netzzeichnung wie eine Netzstrumpfhose am rötlichen Stiel ist bei Röhrlingen fast immer bedenklich, etwa beim Schönfußröhrling oder beim Netzstieligen Hexenröhrling!).
  4. Sein Fleisch ist gelb, wird allerdings bei Verletzung sofort dunkelblau. Beim Erhitzen vergeht diese unschöne Färbung wieder! Abrakadabra – daher (und von der roten Farbe) wohl auch der Name Hexenröhrling.

Sein ärgster Doppelgänger, der Netzstielige Hexenröhrling, wäre übrigens keine wirklich schlimme Verwechslung. In älteren Pilzbüchern wird dieser auch als Speisepilz genannt. Allerdings gibt es jüngere Erkenntnisse, die aussagen, dass Personen, die sehr selten Alkohol trinken und sich dann AUSNAHMSWEISE zu einem Netzstieligen Hexenröhrling ein Gläschen gönnen, Verdauungsbeschwerden bekommen. Trotzdem besser allgemein keine rotstieligen Röhrlinge mit Netzstrumpfhose sammeln.

Flockenstielige-Hexenroehrlinge_01 Flockenstielige-Hexenroehrlinge_02

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Noch eine kurze Bemerkung zu den vermeintlich ach so einfachen Steinpilzen:

Es gibt mehrere Sorten, die alle essbar sind, und die regelmäßig alle miteinander verwechselt werden:

Dann gibt es aber auch noch einige Sorten, die ungenießbar bis schwach giftig (bei besonders empfindlichen Personen) sind:

Ich liefere heute keine Unterscheidungs- bzw. Erkennungsmerkmale der (vermeitlichen) Steinpilze. Allerdings wollte ich zeigen, dass es mit dem Steinpilz nicht ganz so easy ist, wie viele glauben.

Mir ist da der Flockenstielige Hexenröhrling viel lieber. Da muss man eigentlich nur auf eindeutige, markante Merkmale achten: Rotflockiger Stiel (kein Netz), rote Röhren, brauner Hut. Für Steinpilze muss man schon fast Steinpilzologie studiert haben…

Alsooo — dann zum Abschluss noch ein wunderbares Rezept:

Schlemmerpilze aus dem BAckfach

4 Vorspeisen-Portiönchen:

  • 2 schöne, große, massive Flockenstieligen Hexenröhrlinge (alternativ Steinpilze)
  • 2 geh. EL Ziegenfrischkäse (oder normaler Frischkäse)
  • 4 EL Obers=Sahne
  • 2 geh. EL Parmesan oder Grana Padano, gerieben
  • 2 geh. EL gehackte Petersilie
  • 1 Ei
  • 1 Schalotte, gehackt
  • 1 geh. TL Pilzpulver, wenn vorhanden (mache ich immer aus getrockneten Parasolstielen)
  • 1 geh. TL Bio-Gemüsesuppenpulver
  • Saft v. 1/2 Zitrone
  • Salz, Pfeffer, Butter

Hier kann man natürlich wie wild variieren: Backfach (vom Kaminofen) – muss nicht sein, Backrohr geht auch. Flockenstielige Hexenröhrlinge – müssen nicht sein, gekaufte Steinpilze gehen auch. Ziegenfrischkäse – muss nicht sein, normaler geht auch. Pilzpulver – muss nicht sein, kann man weglassen.

Wer die Pilze im Backfach eines Ofens zubereitet, kann jetzt mal Feuer machen. Bis die Hitze groß genug zum Backen ist, dauert es etwas.

Die Flockenstieligen Hexenröhrlinge putzen und in kleine Stücke schneiden (Röhren können bei dieser Zubereitungsart drangelassen werden). Nicht erschrecken, wenn die Würferl unappetitlich blau werden, das geht beim Erhitzen wieder weg und ist ganz normal!

Ziegenfrischkäse, Obers, geriebenen Grana Padano, gehackte Petersilie, Ei, gehackte Schalotte, Pilzpulver, Suppenpulver, Salz und Pfeffer verrühren.

Pilzwürfel in etwas Butter 3min andünsten. Dann salzen und mit dem Zitronensaft ablöschen.

Inzwischen 4 Soufflé-Förmchen mit Butter ausstreichen. Wer die Pilze im konventionellen Backrohr macht, kann es jetzt auf 180°C Heißluft vorheizen.

Pilze in die Förmchen geben; Creme darüber gießen.

Nun für ca. 60min ins Backfach eines Kaminofens oder für ca. 30min ins auf 180°C vorgeheizte Backrohr geben. Grundsätzlich muss man nur darauf schauen, dass die Förmchen appetitlich goldgelb überbacken werden – bitte nicht sklavisch an die von mir angegebene Zeit halten, jeder Ofen ist anders!

Dazu schmeckt grüner Salat.

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