Pilzinfos & Rezept: Parmesan-Kokos-Parasol auf gelbem Tomatenspiegel

Die im Folgenden präsentierten Infos sind lediglich als meine private Meinung und nicht als Pilzberatung zu verstehen. Pilzbestimmung übers Internet ist trotz der vielen Vorzüge, die gute Pilzseiten (z.B. 123pilze.de) ggü. Printmedien aufweisen, keine endgültige Bestimmung und sollte bei Unsicherheit vor Ort von Mykologen (Pilzexperten) bestätigt werden. In Österreich gibt es dazu Pilzauskunftstellen. Ich übernehme keine Haftung.

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Hach ja, Parasol, die sind doch wirklich was Feines! Hier hab ich mal ein More Carb-Rezept für Gebackene Parasol im Pankomantel gebloggt.

Parasol kennen viele von uns als gute Speisepilze, insbesondere, wenn man die großen, tellerförmigen Pilzhüte wie Schnitzel parniert. Ihre Stiele eigenen sich zum Trocknen und zur Herstellung von Pilzwürzpulver oder Pilzsalz.

Parmesan-Kokos-Parasol_01 Parmesan-Kokos-Parasol_03

Es ist schon lustig: Freunde und Familie werden immer ganz nervös, wenn mein Mann und ich uns ins Pilzsammel-Vergnügen stürzen, sind jedoch völlig beruhigt, wenn wir „nur“ Parasol mit nachhause bringen – weil man die eben kennt, immer schon gegessen hat.

Ich frage mich, ob das so richtig ist. Der Parasol (Macrolepiota procera), auch Riesenschirmling genannt, zeichnet sich durch einige markanteste Merkmale aus: seine Größe (bis zu 30cm im Durchmesser), seinen weißer Hut mit braunen, dachziegelartigen Schuppen und braun-buckeligem Scheitel, seinen braun-weiß genatterter Stiel sowie seinen stets verschiebbaren, doppelt ausgebildeten, fransig-wattigen Ring (den man übrigens roh snacken kann). Unverkennbar. Glaubt man.

Jetzt ist es aber so, dass ich mir ziemlich sicher bin, dass die allermeisten Parasol-Experten da draußen gar nicht wissen, dass sie höchstwahrscheinlich regelmäßig seinen Doppelgänger verzehren, nämlich den Rötenden- oder Safranschirmling (Macrolepiota rachodes). Der Unterschied besteht darin, dass das Fleisch von Hut und Stiel sowie seine Lamellen bei Verletzung röten (=werden safranrot oder gelbrot). Der Stiel ist nicht genattert. Dramatisch ist die Verwechslung mit dem Safranschirmling nicht, denn er ist ebenso essbar.

Das Problem ist ein anderes: Es gibt dann noch eine Art, die nennt sich Garten-Safranschirmling oder Garten-Riesenschirmling (Macrolepiota rachodes var. hortensis). Und die ist giftig („nur“ magen-darm-giftig, man bekommt also kurzfristige Verdauungsprobleme). Die sieht im Grunde genauso aus wie der Safranschirmling und rötet auch, wächst allerdings an anderen Orten: Wie der Name schon sagt im Garten, in Parks, aber auch auf dem Kompost oder im Gewächshaus. Und dann gibt es noch den Gift-Riesenschirmling (Macrolepiota venenata), der ebenso rötet, der ebenso kurzfristige Magen-Darm-Störungen verursacht.

Ich sage das alles nur deshalb mit solchem Nachdruck, weil der Parasol bei pilzsammelnden Laien als „einfacher“ Pilz gilt (ebenso wie das Eierschwammerl=Pfifferling oder der Steinpilz=Herrenpilz; und auch das stimmt ganz und gar nicht, mehr dazu ein anderes Mal). Es gibt keine einfachen Pilze, wenn „einfach“ bedeuten soll, dass man sie ohne eingängige Prüfung verputzen will!

Aber simpel sind die Regeln doch, die es für die Parasolsuche einzuhalten gilt:

  1. Ausschließlich Riesenschirmlinge sammeln, die im Wald (Misch-, Laub-, Nadelwald) wachsen. Nichts aus dem Garten, vom Kompost o.ä. sammeln.
  2. Wer sich Sorgen macht, kann einfach auf rötende Arten komplett verzichten.
  3. Der Stiel muss braun-weiß genattert sein und einen doppelt abgesetzen, wattig-fransigen Ring aufweisen.
  4. Die Schuppen an der Hut-Oberfläche müssen dachziegelartig voneinander abgesetzt sein (sind sie es nicht, kann es sich um den weniger schmackhaften, jedoch essbaren Sternschuppigen Riesenschirmling handeln).
  5. Wurde der Pilz sicher als Parasol erkannt, muss er beim Kochen komplett durchgegart werden. Darin unterscheidet sich das „Schnitzelschwammerl“ von der Zubereitung gewöhnlicher Minutenschnitzel. Fleisch verträgt es, wenn man es nur kurz anbrutzelt. (Fast alle) Pilze wollen hingegen ordentlich durcherhitzt werden, sonst können empfindlichere Personen ebenfalls Bauchzwicken bekommen.

So. Ich wiederhole: Das alles ist nicht schwer, man muss sich nur konzentrieren. Die lapidare Einstellung „Den kenne ich eh sowieso, das ist ein Parasol“ hat schon manchem ungutes Bauchweh beschert.

Wer die fünf von mir genannten Punkte beachtet, wird keine Probleme haben (lediglich meine Meinung – keine absolute Garantie – keine Essensfreigabe von mir).

Ganz im Gegenteil: Wer wirklich Parasol sammelt, wird ein Geschmackserlebnis sondergleichen erleben. Ich liebe Parasol, die sind sooo lecker!

Toll ist, dass in dem Wald, der ein paar Meter hinter unserem Haus anfängt, ein Parasol-Paradies ist. Wenn wir es wirklich eilig haben, gehen wir 5min mit den Katzen, die uns immer begleiten, in den Wald hinein, kommen mit wunderschönen Exemplaren zurück und können in kürzester Zeit schlemmen. 🙂

Hier also ein vorgestern von uns erprobtes Low Carb-Rezept für parnierten Parasol. Ist das nicht großartig, dass diese Leckerei auch kohlenhydratarm möglich ist?

Parmesan-Kokos-Parasol auf gelbem Tomatenspiegel

2 Portionen:

  • mind. 6 große Stück Parasol
  • 50g Kokosmehl
  • 50g Kokosraspel
  • 50g Parmesan oder Grana Padano, gerieben
  • 2 Eier
  • 2 gute Schuss Milch oder Schlagobers=Sahne
  • Salz, Pfeffer
  • Butter, Erdnussöl

Für die Tomatensauce:

  • 400g Tomaten (ich hatte gelbe, deshalb die Farbe)
  • 1 Zwiebel
  • 2 Knoblauchzehen
  • 3 EL Balsamico-Essig
  • 2 TL Erythrit
  • 1 Handvoll Oregano oder, für die exotische Variante, Koriandergrün
  • Salz, Pfeffer, Erdnussöl

Für die Tomatensauce die Zwiebel und den Knoblauch fein hacken und in einem Topf in Öl anbraten. Gewürfelte Tomaten zugeben und mit Deckel aufkochen lassen.

Die Schirme vom Parasol abmachen (Stiele lassen sich ganz leicht herausdrehen) und mit der angefeuchteten Küchenrolle putzen. Nur, wenn die Pilze richtig erdig sind, waschen (besser wär’s, sie blieben eher trocken).

Tipp: Die Stiele nicht wegwerfen, sondern kleinschneiden und ein paar Tage in der Sonne trocknen lassen, bis sie rascheln. Dann z.B. in der Kaffeemühle oder mit der Nussreibe zu feinem Pulver mahlen. Dieses Pilzpulver lässt sich ganz wunderbar für Saucen verwenden!

Parasolschirme etwas flach drücken, salzen und pfeffern.

Auf einem Teller Kokosmehl verteilen, auf dem zweiten eine verquirlte Eier-Obers/Milch-Mischung, auf dem dritten eine Kokosraspel-Parmesan-Mischung.

Pilzhüte erst in Kokosmehl, dann in Eiern und zum Schluss in Kokos-Parmesan-Raspeln wenden.

Zwischendurch nach der Tomatensauce sehen: Diese müsste inzwischen fast fertig sein. Mit Balsamico-Essig und Erythrit abschmecken, dann mit dem Zauberstab pürieren. Zum Schluss die gehackten Kräuter unterheben und auf leiser Stufe weiterköcheln lassen.

Die parnierten Parasolschirme und können nun frisch in der Pfanne ausgebacken werden. Ich nehme am liebsten eine Mischung aus Erdnussöl und Butter. Darauf achten, dass sie komplett durchgegart werden (jeden mind. 5min in der Pfanne lassen, Hitze am Ende ggf. zurückschalten, damit nichts verbrennt). Weil nicht alle in die Pfanne passen werden, im auf 50°C vorgeheizten Backrohr auf Küchenrolle abtropfen lassen und warmhalten.

Die fertig parnierten Parasolschirme mit Tomatensauce servieren.

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5 Gedanken zu “Pilzinfos & Rezept: Parmesan-Kokos-Parasol auf gelbem Tomatenspiegel

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