Indien

Liebe alle,

ich bin wieder da! 🙂

Indien war ganz einfach fantastisch. Es ist wahr, man kann sich nicht darauf vorbereiten, man muss sich einfach mitten hineinwerfen in diesen bunten Strudel. Und genau das haben wir auch getan!

Eine Bemerkung im Vorfeld: Es war ja Nebensaison, ausklingender Monsun. Ich finde, das war absolut perfekt! Keine Leute, ab und zu ein kühlender Regenguss frisch gewaschene Straßen, grünendes und blühendes Indien. In Goa waren die sonst übervollen Stränge leer gefegt, obwohl es täglich immer wieder zu vielen Sonnenstunden kam. Es war wie im Paradies! Für Leute, die sich nur vom Hotel zum Strand und wieder zurückbewegen wollen, ist die Nebensaison natürlich nichts.

Angefangen hat unsere Reise mehr als turbulent: Am Abend vor unserer Abfahrt hatte mein Mann noch einen Gig auf einer Hochzeit. Ich bin früh ins Bett gegangen (weil: aufstehen um 4.30 Uhr morgens) und habe damit gerechnet, dass er so um 2.30 Uhr in der Nacht heimkommen wird. Da läutet um 3 Uhr Früh das Telefon: Er steckt in der Park-Garage fest, weil die Park-Karte in zwei Hälften zerbrochen ist, als er sich versehentlich beim Einsteigen draufgesetzt hat! Nach vielen Anrufen bei Kollegen und ehemaligen Kollegen mitten in der Nacht, in der Hoffnung, jemanden mit Park-Karte aufzutreiben, hat dann ein ganz großartiger Ex-Kollege eine Rettungsaktion gestartet. Er selbst hatte zwar keine Karte, ist jedoch um mittlerweile 3.30 Uhr morgens quer durch Salzburg gefahren, um einen wieder anderen Mitarbeiter aus dem Bett zu läuten, sich dessen Karte zu borgen und meinen Mann aus seinem unfreiwilligen Gefängnis zu befreien. Ich bin immer noch sprachlos über so viel Hilfsbereitschaft!!

Warum wir dann trotzdem den Bus nach Prag verpasst haben, will ich gar nicht erzählen. 😉 Nach einem aufreibendem Trainspotting, einer überteuerten Zugfahrt und einem müden Mann an meiner Seite, der die Nacht zuvor wegen dieses blöden Missgeschicks durchmachen musste, kamen wir dann aber trotzdem fröhlich in Prag an. 🙂 Unser Hotel Green Lobster war hübsch, gut gelegen unterhalb des Hradschin, und ein leckeres Abendessen mit gutem, dunklen Prager Bier haben wir uns auch noch in der Nähe gegönnt. Am nächsten Tag ging es dann mit Turkish Airlines (bei der aus irgendeinem Grund der Online-Check in am Vorabend angezeigt hat, dass das Flugzeug voll sei und wir keinen Platz bekämen, was dann gar nicht stimmte, aber für weitere Aufregung sorgte) ab nach Mumbai.

Mumbai

Das Prepaid-Taxi hat uns sicher zu unserem Hotel Kumkum gebracht. Ich würde es jedem empfehlen: Günstig, sauber, sehr hilfsbereite Mitarbeiter. Die Lage muss man mögen, die Lamington Road war nicht gerade touristisch überlaufen (ich glaube, in 4 Tagen haben wir keinen einzigen weiteren Westler in dieser Gegend gesichtet), allerdings ist man mit dem Taxi um wenig Geld und in kürzester Zeit überall dort, wo man sein will. Zu Fuß ist man in 20min beim Chowpatty Beach, nur mitten in der Nacht ist die Route nicht mehr empfehlenswert, weil man bei sehr vielen armen Menschen vorbei muss, die bereits überall auf den Gehsteigen schlafen (wir sind einmal in der Nacht herumgewandert, zwar haben wir uns nicht wirklich gefürchtet, aber etwas mulmig war uns doch dabei zumute).

Von Mumbai habe ich eher wenige Fotos gemacht, da musste ich mich noch akklimatisieren bzw. daran gewöhnen, permanent von tausenden (durchaus freundlichen) dunklen Augenpaaren angestarrt  zu werden. 😉 Als Frau sollte man die Blicke natürlich nicht erwidern, sondern züchtig und freilich wohlbedeckt auf den Boden schauen. Mein Mann hatte es da leichter, dem hat es richtig Spaß gemacht, die vielen Kontaktversuche der Inder zu beantworten. Er wurde wohl an die hundert Mal fotografiert von netten Leuten, die gerne mal ein Foto von sich und einem Westler haben wollten. Meine Fotos in Mumbai haben sich eher an den ruhigeren Orten bzw. Kolonialbauten orientiert. Das vermittelt natürlich kein vollwertiges Bild von dieser quirligen, dramatischen Stadt. Am dritten Tag sind wir mit dem Vorortzug (ein Erlebnis für sich) zum Sanjay Gandhi National Park in Borivali gefahren, wo wir eine tolle Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Berge hatten. Wir haben uns die Kanheri Caves angesehen, die fast nur von Indern besuchten beeindruckenden buddhistischen Höhlenklöster. Dort hat uns ein Nationalpark-Guide, der natürlich nur ganz wenig Englisch konnte (er stammte aus Bihar, dem ärmsten Bundesstaat Indiens), einiges über die über 100 Höhlen erzählt. Ein absolutes Highlight war für uns, als er uns fragte, ob wir hören möchten, wie die alten buddhistischen Gebete klangen – und dann wunderschön und zutiefst berührend zu singen begann. Das Echo in einer der größten Gebetshöhlen hat seine Klänge, die uns irgendwie an gregorianische Choräle in anderer Tonart erinnerten, mystisch verfremdet.

Bei der Rückfahrt von den Caves mit dem winzigen Sammeltaxi bis zum Eingang des Nationalparks haben wir viel gelacht: Der Fahrer hat uns angewiesen, gemeinsam auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen, damit hinten noch 6 Personen nebst Gepäck Platz finden (in Europa wären 4 Personen ohne Gepäck schon das Maximum gewesen, das das Mini-Taxi aufnehmen hätte können). Wir saßen dicht an dicht auf einem Sessel, allerdings ging die Tür trotzdem nicht zu. Der Fahrer hat schließlich das rechte Bein meines Mannes geschnappt und auf die andere Seite des Schaltknüppels geschwungen (der Fahrer sitzt ja rechts). Ihr könnt euch vorstellen, wie das ausgesehen hat, oder? Das rechte Bein meines Mannes hätte ohne Probleme kuppeln und bremsen können… er war ganz eng an den Fahrer gekuschelt… und zwischen seinen Beinen ragte der Schaltknüppel raus (der natürlich eifrig betätigt wurde). 😀 Bei einer Geschwindigkeit von 80km/h sind wir so an den Verkehrstafel, die eine Maximalgeschwindigkeit von 20km/h einforderten, über Stock und Stein und zahlreiche Speed Bumps drüber gesaust. Als wir schließlich lachend ausstiegen, grinste uns der Fahrer an und meinte „Indian Style“. 🙂

Hier also ein paar Bilder von Mumbai, das bis 1996 offiziell Bombay hieß und 12,5-18,5 Mio. Einwohner, je nachdem, welche Randbezirke man noch dazu zählt, aufweist:

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Goa

Goa war ganz einfach paradiesisch. Im Vergleich zu Mumbai natürlich absolut ruhig; sogar durch die nicht mehr ganz so kleine Stadt Margao (80.000 Einwohner) haben wir uns getraut, mit dem Roller zu fahren, das spricht schon für sich. 😉

Wir haben vor allem den Süden Goas mit dem Roller erkundet, ausgehend von der großartigen kleinen Pension Veeniola Holiday Home. Super Lage, gemütlich, idyllisch, sauber. Anand, der Besitzer, war ein Schatz, und ein großartiger Koch obendrein (in der Nebensaison musste man seine Speisewünsche am Vortag bekannt geben oder essen, was eben da war, verständlicherweise, da Anand erst einkaufen musste). Gemeinsam mit sechs weiteren jungen Leuten aus Deutschland, England, Wales und Tschechien haben wir lustige Abende erlebt. Tagsüber (und auch manchmal nachts) haben wir uns viel angesehen und waren ganz gerührt darüber, dass wir wieder fast allein und nur von ein paar Indern umgeben waren, obwohl zur Hochsaison die Traumstrände von Goa schon fast aussehen wie die Tourismus-Hochburgen in Bibione&Co. Richtig verliebt war ich in die vielen Strandhunde, die zu kleinen Knödelchen zusammengerollt am Strand schliefen und uns häufig ein paar Schritte begleitet haben. Sie waren immer friedlich und einfach nur harmlos neugierig, wer sich denn da auf ihren Strand verirrte. Besonders unsere deutschen Miturlauber hatten richtig Angst vor ihnen, was ich beim besten Willen nicht verstehen konnte, denn die sanften und lieben Hunde haben mir meinen Strandaufenthalt noch mehr versüßt. 😉

Schwimmen konnte man übrigens trotz Nebensaison, allerdings nur dort, wo Bademeister aufgepasst haben, dass man sich nicht zu tief ins Wasser begibt und von den Monsun-Strudeln hinausgezogen wird. Das war kein Problem, denn an jedem Traumstrand gab es immer irgendwo ein paar geschäftige junge Bademeister, die sich in ihrem Job profilieren wollten (erst vor vier Jahren wurden diese Jobs eingeführt, vorher sind offenbar scharenweise Leute ertrunken…). Das Wasser war superwarm und die Wellen haben großen Spaß gemacht. Wenn es mal wieder einen starken Regenguss gegeben hat, war der in 5-10min vorbei, als wäre nichts geschehen. Es war lustig, wenn wir uns gemeinsam mit den Einheimischen in irgendwelche Unterstände gedrängt haben und dann wieder weiter gerollert sind.

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Delhi

Delhi hat mir persönlich noch besser gefallen als Mumbai (obwohl ich Mumbai auch mochte). Zum Abschluss haben wir uns ein tolles Hotel gegönnt, das The Estate im Süden von Delhi. Es war wirklich großartig, eine kleine ruhige Oase mit Garten inmitten des Gewühls, außerdem richtig luxuriös und mit feiner Regendusche. Ganz anders als unsere bescheidenen Unterkünfte vorher. Ein wenig weit weg vom Schuss, allerdings war die U-Bahn nur 8min entfernt und wir sind täglich mit der U-Bahn ins Zentrum gefahren. Das war kein Problem und besonders in der Stoßzeit extrem spannend. So dicht gedrängt bin ich wirklich noch nie gereist. 😉

Besonders gefallen hat uns die Rikscha-Fahrt durch Old Delhi. Wir sind durch den Gewürzbazar, den Hochzeitsbazar, den Kleiderbazar gefahren. Vorher zu Fuß durch einen Teil, der lauter Elektro- und Installateurteile verkauft  hat. 🙂

Wir waren zufällig am Unabhängigkeitstag in Delhi, was von den Indern neben einer Ansprache von Premierminister Narendra Modi vorm Roten Fort, besonders mit dem Steigenlassen von tausenden Drachen gefeiert wurde. Das war richtig toll! Aus diesem Grund sind wir dann nicht, wie ursprünglich geplant, nach Agra zum Taj Mahal gefahren, das sparen wir uns für eine künftige Reise.

Sehr schön war der Komplex um Qutb Minar und der Quwwat-ul-Islam-Moschee („Macht-des-Islam-Moschee“). Dort findet man einen Sieges- und Wachturm aus dem späten 12. Jahrhundert (erbaut nach dem Sieg der Moslems über die Hindus) sowie eine der frühesten (erhaltenen) Moscheen Indiens.

Beeindruckt hat uns weiters der wunderschöne, neue Hindutempel-Komplex Akshardham, erbaut 2005. Er gilt als (flächen-)größter Hindutempel der Welt und ist, da er ja erst zehn Jahre alt ist, prächtig und glanzvoll.

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Zuhause

Alles in allem hat mich Indien wahrlich vom Hocker gerissen. Es war so schön, so turbulent, immer wieder sind wir ganz wo anders als gedacht gelandet und haben dort dann noch viel Schöneres erlebt. Pläne machen darf man dort nicht, man muss sich auf Land und Leute einlassen. Wir haben geschlemmt, getanzt, gestaunt – und ich will ganz, ganz bald wieder hin. Dann stehen auf jeden Fall Agra, Jaipur, Varanasi und Rajasthan auf dem Programm! Die Rückkehr nach Europa war luxuriöser als erwartet, da wir auf der Strecke Istanbul-Prag wegen Flugüberbuchung in die Businessclass upgegradet wurden (was für ein Traum!!) und dann auch noch in Prag im Green Lobster ohne Aufpreis ein Deluxe-Zimmer bekommen haben. 😀 In Österreich anzukommen war hingegen richtig hart. Ich hatte so gar keine Lust auf das organisierte Leben, auf das wenig tiefgründige Gerede und die kleinen Problemchen der Leute hier. So schwer ist mir heimkommen noch nie gefallen… wir hatten es einfach zu schön in Indien. Natürlich ist mir bewusst, dass wir absolut privilegiert sind. Wir müssen uns keine echten Gedanken darüber machen, ob das Taxi nun 10, 20 oder 50 Rupien (=15, 30 oder 70 Cent) kostet, ob der köstliche Masala Chai mit 10 Rupien überbezahlt ist. Wir haben genug zu essen, brauchen uns nicht über eine Schlafstatt für die Nacht sorgen und haben einen Bildungsstand, der für die meisten Inder unerreichbar ist. Ich weiß, dass ich aus meiner rosaroten Ecke heraus schreibe. Trotzdem: Indien ist für mich, die ich mich glücklicherweise nicht mit Armut und Hunger auseinanderzusetzen brauche (außer auf der Seite der Geber), ein absolutes „Heimwehland“. So spontan, so offen, so herzlich, so freundlich – und das inmitten all dieser Armut. Selbst die kastenlosen Unberührbaren pflegen sich, dekorieren ihre Häuser mit Ketten aus Tagetes (da Orange und Gelb die heiligen Farben der Hindus sind) und versuchen, Gutes aus ihrem Leben zu machen.

Einen kleinen Elefantengott Ganesha werde ich von nun an in meinem Herzen tragen und hoffentlich bald in dieses wunderbare Land zurückkehren. 🙂

Disclaimer: Es handelt sich hier um einen rein privaten Reisebericht. Die von mir erwähnten Destinationen, Hotels und Restaurants habe ich auf meiner privaten Urlaubsreise besucht und kann sie weiterempfehlen – ich stehe in keinerlei gewerblichem Verhältnis zu den Anbietern.

5 Gedanken zu “Indien

  1. Herta Wachauer schreibt:

    Liebe Katharina!
    Dein Reisebericht vom Urlaub in Indien ist eine Liebeserklärung von Dir an das Land und ihre Bewohner. Ich bin überrascht von der Einfachheit der Lebensweise vieler Menschen dort und ich bin sehr beeindruckt von den großartigen Bauwerken, dem herrlichen Strand, der einfach zum Verweilen und Träumen einlädt.
    Danke, dass wir diesen faszinierenden „Spaziergang“ mit Dir machen durften.
    Für die Genuss-Rezepte können wir uns nun auf interessante Asien-Einflüsse und Anregungen freuen.
    Herzliche Grüße
    Herta

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